EURE SCHEINHEILIGKEIT
[Wettbewerbsbeitrag Bismarck Denkmal Hamburg ]
Auf dem riesigen Sockel steht der stolze Otto von Bismarck ‐ zu groß zu mächtig ‐ so viel Ehre muss hinterfragt werden. Sein Ruhm zu Lebzeiten und seine immense Glorifizierung nach seinem Tod zeugen von einem übertrieben Heldenstatus. Eine ganze Nation hat den imperialistischen Kolonialpolitiker zu ihrem Heiligen hochstilisiert. Das Bild dieser verklärten Ikone soll durch einen verrutschten Heiligenschein „gerade“ gerückt werden. Ein Heiligenschein aus Messing, welcher weit nach unten verrutscht ist und so Bismarck starren Blick verdeckt. Wie ein Trabant kreist der kreisrunde Heiligenschein um den steinernen Kopf des eisernen Kanzlers.
Vom Heiligenschein zur Scheinheiligkeit ‐
Schon seit der Antike schmückten sich Herrscher jeglicher Kulturen und Religionen mit Strahlenkränzen, Gloriolen, Mandorlas, Nimbusse oder Heiligenscheine. Der Nimbus ist in der Kunst ein Symbol für Mächtige, Erleuchtete, Heilige oder Götter. Dieses einfache Stilmittel erhöht die Person, entrückt sie aus der Welt der Sterblichen und entbindet sie von jeder Haftung für das Weltliche.
Der Schein dieses leuchtenden Kranzes trübt den Blick und lässt so auch große Schatten schwinden. Ein verrutschter Heiligenschein hingegen zieht die Person ins Lächerliche. Diese Lichtkrone ist nun kein Zeichen der Erleuchtung mehr, sondern der Verblendung, der Blindheit oder der Scheinheiligkeit. Die Kolossalstatue wird so „entzaubert und wir können getrost das Vergangene hinterfragen.
Hamburg, 2023
Messing Ring
Offener, EU-weiter Wettbewerb in zwei Phasen












